10.1 Definition
Ein SAP Fraud-Workflow ist kein einzelner Knopf und kein einzelnes Produkt. Gemeint ist ein organisierter Ablauf, in dem verdächtige Rechnungen, Vendor-Änderungen oder Zahlungen aus dem Standardfluss herausgenommen, bewertet, dokumentiert, eskaliert und erst nach definierter Klärung wieder freigegeben oder verworfen werden.
10.2 Ziel und Architektur
Ziel ist, dass nicht der Sachbearbeiter improvisieren muss, sondern die Organisation eine klare Route hat: Eingang, Signalerhebung, Scoring, Queue, Playbook, Entscheidung und Rückkopplung. Architektur bedeutet also vor allem saubere Prozessführung, Statuslogik und Rollenübergaben.
10.3 Beispielablauf
- Eingang von Rechnung oder Vendor-Änderung
- Automatische Erhebung von Risikoindikatoren
- Scoring, Duplicate-Check und Stammdatenabgleich
- Hold-Code und Routing in Fraud- oder Review-Queue
- Manuelle Verifikation über bestätigte Kontaktwege
- Dokumentierte Entscheidung: freigeben, zurückweisen, Vendor sperren oder Incident starten
10.4 Fraud Queue und Analyst Playbooks
Die Queue funktioniert nur mit klaren Playbooks: Welche Daten werden geprüft? Welche Kontaktwege sind erlaubt? Wer darf eine Sperre aufheben? Wann werden Einkauf, Legal oder Management eingebunden? Gute Playbooks reduzieren Streuung in der Bearbeitungsqualität.
10.5 Statuslogik und Hold-Codes
Typische Statuswerte sind etwa FRAUD_REVIEW, BANK_CHANGE_VERIFY, DUPLICATE_SUSPECT, HIGH_AMOUNT_ANOMALY oder UNVERIFIED_VENDOR. Sie machen Reporting, Auditierbarkeit und disziplinierte Bearbeitung überhaupt erst möglich.
10.6 Warum der Workflow wichtiger ist als die Einzelerkennung
Viele Projekte investieren zuerst in die Erkennung und zu wenig in die Bearbeitung. Der eigentliche Sicherheitsgewinn entsteht aber nicht beim bloßen Flaggen, sondern beim sauberen Umgang mit dem Flag: Hold, Review, Verifikation, Dokumentation, Entscheidung und Rückkopplung.